Aufgaben und Tätigkeiten eines Notars


Nicht jeder Rechtsanwalt kann auch zum Notar berufen werden. Voraussetzung ist unter anderem auch eine schriftliche und mündliche PRÜFUNG, welche in der Neufassung der Prüfungsordnung u. a. folgende Rechtsgebiete vorsieht: das BGB mit Nebengesetzen, insbesondere das WEG,
das Recht der Personengesellschaften und Körperschaften einschließlich der Grundzüge des Umwandlungs- und Stiftungsrechts,
das Recht der freiwilligen Gerichtsbarkeit, insbesondere das Beurkundungsrecht, das Grundbuchrecht und das Verfahrensrecht in Betreuungs- und Unterbringungssachen, in Nachlass- und Teilungssachen sowie in Registersachen,
das Handelsrecht sowie
die allgemeinen Voraussetzungen der Zwangsvollstreckung und der Zwangsvollstreckung in Grundstücke

1. Der Notar, Ihr unparteiischer Berater
Aufgaben und Tätigkeiten eines Notars haben viele Seiten: Einerseits repräsentiert er den Staat. Er ist Hoheitsträger. Dies kommt für den rechtsuchenden Bürger bildhaft darin zum Ausdruck, dass der Notar ein Amtsschild mit dem Landeswappen benutzt. Für Sie als Klienten des Notars tritt indes eine andere Seite in den Vordergrund: Ihnen und Ihren Vertragspartnern steht der Notar nämlich vornehmlich als unparteiischer Berater in komplizierten und folgenreichen Rechtsangelegenheiten zur Verfügung.

Was bedeutet dies? Notarinnen und Notare leisten Hilfestellung bei der Gestaltung von Rechtsbeziehungen und fungieren als Mittler zwischen den Interessen der Parteien. Notare sind damit "friedfertige" Juristen. Sie sind ihrer Aufgabe nach unparteiisch. Auch ist es nicht Aufgabe der Notare, Streitigkeiten und sonstige Sachverhalte autoritär zu entscheiden. Insoweit unterscheiden sie sich von den Richtern. Notare bieten den Beteiligten lediglich Rat und Mitwirkung im Sinne einer Dienstleistung an. Den Beteiligten steht es frei, ob sie den Rat annehmen oder nicht.

Wird der Notar von den Beteiligten aufgesucht, so wird er zunächst den Sachverhalt erforschen und dabei auf das Genaueste die Interessen und Ziele der Vertragsparteien ermitteln. Doch nicht alles, was die Beteiligten wünschen, können sie, und nicht alles, was sie wollen, dürfen sie. Willenserforschung ist die Aufgabe des Notars, die Beteiligten zu dem Ergebnis zu führen, das ihrem wahren Willen irrtums-, zweifelsfrei und rechtlich einwandfrei entspricht. Auf der so ermittelten Grundlage wird der Notar auf eine Einigung der Parteien im Sinne eines freiwilligen Interessenausgleichs hinwirken. Lässt sich eine solche Einigung nicht erzielen, findet die Tätigkeit des Notars ihr Ende. Wird hingegen eine Einigung erzielt, so schlägt sich das Ergebnis in der Regel in einem Vertrag nieder, mag der Vertrag dann Kaufvertrag, Erbvertrag, Gesellschaftsvertrag oder anders heißen. Notare beraten und belehren die Parteien sodann über den (möglichen) Vertragsinhalt und stellen dabei sicher, dass unerfahrene Beteiligte nicht benachteiligt werden. Ziel ist, ein Gleichgewicht zwischen den Vertragsparteien zu erreichen, soweit dieses von rechtlicher Information und der Kenntnis rechtlicher Gestaltungsmöglichkeiten abhängt. Notare tragen hiermit wesentlich zur Sicherstellung eines wirksamen Verbraucherschutzes bei.

2. Der Notar, vom Gesetzgeber an Ihre Seite gestellt
Für eine Vielzahl von Rechtsgeschäften ist ein Tätigwerden des Notars, genauer: die Beurkundung des Rechtsgeschäfts durch einen Notar, gesetzlich vorgeschrieben. Dies ist immer dort der Fall, wo der Gesetzgeber die Mithilfe des Notars wegen der weit reichenden persönlichen und wirtschaftlichen Folgen für die Beteiligten für geboten hält. Erforderlich ist die Mitwirkung des Notars insbesondere in folgenden Bereichen:

- Immobilien: Kauf, Schenkung, Nießbrauch, Bestellung von Grundpfandrechten etc.
- Ehe und Familie: Ehevertrag, Adoption, Scheidungs- und Partnervertrag etc.
- Erbe und Schenkung: Testament und Erbvertrag, Erbschein, Erbauseinandersetzung etc.
- Handelsregister: Gründung oder Umgestaltung einer Gesellschaft, Handelsregisteranmeldung etc.

Häufig wird eine Beurkundung von den Beteiligten aber auch dann gewünscht, wenn das Gesetz dies nicht ausdrücklich vorschreibt. Tatsächlich empfiehlt sich die Inanspruchnahme des Notars bei sämtlichen für die Beteiligten wichtigen Vertragsangelegenheiten (z.B. Verträge im Personengesellschaftsrecht oder komplizierte Miet- und Pachtverträge). Auch hier können die Beteiligten von der Sachkunde und der Erfahrung des Notars profitieren. Mit der Beurkundung wird die Vereinbarung der Parteien dokumentiert; eventuelle Probleme können durch den Notar schon im Vorfeld geklärt werden. Spätere Streitigkeiten und kostspielige Gerichtsverfahren können damit weitgehend vermieden werden. Der Notar gibt Sicherheit in allen Vertragsfragen. Wichtig ist es zu wissen, dass Notare und ihre Angestellten zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet sind. Mit ihnen kann man auch Vertrauliches besprechen. Der Notar sollte von Ihnen daher möglichst frühzeitig eingeschaltet werden.

3. Notare und elektronischer Rechtsverkehr nach dem Signaturgesetz
Zukünftig werden Notare verstärkt Aufgaben im Zusammenhang mit dem elektronischen Rechtsverkehr übernehmen. Der elektronische Rechtsverkehr kann nicht auf Urkunden und Unterschriften zurückgreifen. Der Nachweis, wer eine Erklärung abgegeben hat und dass diese Erklärung inhaltlich dem entspricht, was der Sender in Umlauf gegeben hat, muss in anderer Weise geführt werden. Das Signaturgesetz bietet hierfür verschiedene Verschlüsselungsverfahren an. Mit diesen Verfahren werden elektronische Dokumente codiert und so zum einen gegen Verfälschung gesichert und zum anderen einem bestimmten Absender zugeordnet. Dieser Absender weist sich durch ein Zertifikat aus, dass dem elektronischen Dokument beigefügt wird. Ein Zertifikat kann zugleich Auskunft darüber geben, ob der Absender befugt ist, als Angehöriger eines Berufsstandes oder als Vertreter einer anderen Person bestimmte Erklärungen abzugeben. Bei der Erstellung eines solchen, sog. Attribut-Zertifikats unterstützt Sie Ihr Notar. Einzelheiten erfahren Sie von ihm oder ihrer Zertifizierungsstelle.

Darüber hinaus arbeiten die notariellen Standesvertretungen aktiv daran mit, die einschlägigen Vorschriften den Erfordernissen des elektronischen Rechtsverkehrs anzupassen, ohne dass dadurch ein Verlust an Rechtssicherheit eintritt.

4. Ihr Notar, seine Auswahl ist keine Kostenfrage
Die Notargebühren sind in einer Gebührenordnung gesetzlich festgelegt. Gebührenvereinbarungen sind weder nötig noch zulässig. Die Wahl des richtigen Notars ist damit keine Kostenfrage! Die Gebühren richten sich nach dem Wert des Geschäftes und der Art der Tätigkeit. Dafür einige Beispiele:

Ein Testament kostet ausgehend von einem Vermögen von 50.000 € bei einer Einzelperson etwa 150 € und bei Eheleuten etwa 300 €.

- Der Kauf einer Eigentumswohnung für 175.000 € kostet etwa 1.100 €.
- Für die Gründung einer GmbH mit 25.000 EUR Stammkapital fallen (einschließlich der Anmeldung zum Handelsregister) etwa 500 € Notargebühren an.

Bei der Wahl eines Notars Ihres Vertrauens sind Sie als rechtsuchender Bürger völlig frei. Ort und Amtssitz des Notars spielen hierbei keine Rolle. So kann etwa der Kaufvertrag über ein Grundstück auf Rügen ohne weiteres auch von einem Notar in Köln beurkundet werden. Da der Staat bei der Ernennung von Notaren für eine bürgernahe Versorgung der Bevölkerung sorgt, gibt es Notare an vielen Orten an denen es noch nicht einmal Ämter und Behörden gibt. Das Telefonbuch oder Branchenverzeichnis gibt Aufschluss über die ortsansässigen Notare. Auskunft erteilt selbstverständlich auch die für unseren Bereich zuständige Notarkammer Hamm, deren wirklich informative und gut aufgebaute Homepage ich Ihnen anempfehlen möchte.

Das Testament

12 Fragen - 12 Antworten

1. Frage: Was geschieht eigentlich, wenn ich ohne Testament sterbe?

Antwort: Dann greift die sogenannte „gesetzliche Erbfolge“ ein, d. h. das Gesetz bestimmt, wer Erbe wird.

Beispiel:
Ein Ehemann verstirbt und hinterlässt neben seiner Ehefrau zwei Kinder. Es entsteht nach der gesetzlichen Erbfolge eine Erbengemeinschaft. An dieser Erbengemeinschaft sind die Ehefrau und die beiden Kinder beteiligt. Auf die Erbengemeinschaft geht das gesamte Vermögen (einschließlich der Schulden) des Verstorbenen über (Ausnahmen sind möglich bei Gesellschaftsbeteiligungen und landwirtschaftlichen Höfen). War etwa der Verstorbene zu 1/2 Anteil Miteigentümer des Einfamilienhauses, in dem die Familie lebte, ist der 1/2 Miteigentumsanteil nunmehr auf die Erbengemeinschaft übergegangen.

Folge: Die Witwe kann über das Einfamilienhaus nicht frei verfügen, weil es ihr auch nicht allein gehört. Die Höhe der Beteiligung von Ehefrau und Kindern an der Erbengemeinschaft hängt bei der gesetzlichen Erbfolge auch vom Güterstand ab.

Im Beispielsfall würde die Witwe im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft zu 1/2 Anteil erben und jedes Kind zu 1/4 Anteil. Hätten die Eheleute Gütertrennung vereinbart, würde die Witwe und jedes der beiden Kinder zu je 1/3 Anteil erben.

Verstirbt ein Ehemann, ohne Abkömmlinge zu hinterlassen, so ist seine Witwe bei gesetzlicher Erbfolge nicht etwa Alleinerbin. Sie erbt vielmehr gemeinsam mit den Eltern des Verstorbenen. Soweit die Eltern bereits vorher verstorben sind, erbt die Witwe gemeinsam mit den Geschwistern des Verstorbenen.


2. Frage: Was kann ich in einem Testament bestimmen?
Antwort: Eine ganze Menge; z. B. können Sie zunächst die gesetzliche Erbfolge ändern, indem Sie selbst bestimmen, wer Ihr Erbe wird. Sie können auch mehrere Erben zu unterschiedlichen Erbquoten einsetzen. Sie können zudem bereits festlegen, wer Erbe wird, wenn der eingesetzte Erbe vor Ihnen verstirbt.

Beispiel:
Sie setzen Ihren Lebensgefährten zu Ihrem alleinigen Erben ein. Für den Fall, dass Ihr Lebensgefährte vor Ihnen verstirbt, bestimmen Sie, dass nicht dessen Sohn, sondern Ihr Patenkind Ihr alleiniger Erbe wird.

Sie können – müssen aber nicht – bei mehreren Erben Anordnungen treffen, wie hinterher das Erbe unter ihnen verteilt werden soll, wer also welchen Gegenstand erhält.

Sie können einzelne Vermögenswerte durch Vermächtnis bestimmten Personen zukommen lassen. Diese Personen erwerben dann eben nur diesen Vermögensgegenstand, mit dem übrigen Nachlass haben sie nichts zu tun.


3. Frage: Was kann ich tun, wenn ich nicht möchte, dass der Erbe sofort nach dem Erbfall frei über den Nachlass verfügen kann?
Antwort: Wenn Sie nicht möchten, dass ein Erbe über den Nachlass frei verfügen kann, zum Beispiel, weil er nach Ihrer Auffassung hierfür noch zu jung ist, können Sie hierfür einen Testamentsvollstrecker einsetzen. Er wird mit der Verwaltung des Erbes beauftragt, bis der Erbe etwa ein bestimmtes Lebensalter erreicht hat.

Möglicherweise befürchten Sie, dass die Erben über die Verteilung des Nachlasses in Streit geraten werden. Sie können hierfür den Testamentsvollstrecker auch mit der Aufgabe betrauen, die Auseinandersetzung durchzuführen.

Besteht die Möglichkeit, dass beim Tode beider Elternteile Ihre Kinder noch minderjährig sind, können Sie im Testament bestimmen, wer Vormund der Kinder sein und damit Ihre Aufgabe als Elternteil wahrnehmen soll.


4. Frage: Ich weiß aber doch gar nicht, was bei meinem Tode an Vermögen übrig geblieben ist!?
Antwort: Das Testament wird erst wirksam, wenn derjenige, der das Testament errichtet hat, verstorben ist. Das Testament ändert somit zu Lebzeiten des (späteren) Erblassers nichts. Er ist nach wie vor unbeschränkter Herr seines Vermögens. Natürlich ändert sich das Vermögen eines jeden von uns im Laufe der Zeit. Das Testament erfasst daher nur das Vermögen, das zum Zeitpunkt des Todes vorhanden ist. Für die Wirksamkeit des Testamentes sind solche Vermögensänderungen unerheblich. Ändert sich allerdings später, also nach Errichtung des Testamentes, das Vermögen in erheblichem Umfang, kann dies Anlass sein, einzelne Regelungen noch einmal zu überdenken.


5. Frage: Kann ich selbst entscheiden, wen ich im Testament bedenke?
Antwort: Grundsätzlich ja. Der Ehegatte muss daher nicht seinen Ehegatten, die verwitwete Mutter nicht ihre Kinder einsetzen. Es kann vielmehr jeder beliebige Dritte, auch eine Stiftung, ein gemeinnütziger Verein etc. bedacht werden. Einschränkungen bestehen nur bei Personen, die in einem Heim untergebracht sind und den Heimträger oder Heim-Mitarbeiter bedenken wollen.

Ähnliche Einschränkungen bestehen aus öffentlich-rechtlichem Dienstrecht. Allerdings können sich Einschränkungen auch dadurch ergeben, dass bindende gemeinschaftliche Testamente oder Erbverträge vorliegen.

Beispiel:
Eheleute haben sich in einem gemeinschaftlichen, selbstgeschriebenen Testament gegenseitig zum Alleinerben eingesetzt und eines von ihren drei Kindern zum alleinigen Erben nach dem Überlebenden bestimmt. Der Ehemann verstirbt. Die Ehefrau möchte, dass nach ihrem Tode alle drei Kinder ihre Erben werden. Das gemeinsame Testament ist aber mit dem Tode des Ehemannes für die Ehefrau bindend geworden. Die Ehefrau kann daher die beiden anderen Kinder nicht mehr durch ein anderes Testament bedenken. Durch eine sachgerechte Gestaltung des Testamentes hätte dieses Ergebnis vermieden werden können.


6. Frage: Was ist eigentlich ein Pflichtteilsanspruch?

Antwort: Gerade weil man im Testament jedem beliebigen Dritten Vermögenswerte zuwenden kann, will das Gesetz für einen bestimmten Personenkreis eine wirtschaftliche Mindestbeteiligung am Nachlass sicherstellen. Dies geschieht durch sogenannte Pflichtteilsansprüche.

Pflichtteilsberechtigt sind der Ehegatte und die Abkömmlinge und – wenn keine Abkömmlinge vorhanden sind – die Eltern, nicht aber sonstige Personen, also insbesondere nicht Geschwister des Erblassers.

Der Pflichtteilsberechtigte kann – anders als der Erbe – über den Nachlass nicht bestimmen, sondern hat nur einen Anspruch auf Zahlung eines Geldbetrages. Für die Höhe des Zahlungsanspruchs ist zunächst der Wert des Nachlasses des Verstorbenen maßgebend. Verbindlichkeiten und Beerdigungskosten werden abgezogen. Von diesem Wert steht ihm die Hälfte seiner gesetzlichen Erbquote als Pflichtteil zu.

Beispiel:
Die Eheleute haben sich gegenseitig zum Alleinerben eingesetzt. Für den Fall, dass sie beide versterben, haben sie ihre beiden Kinder zu Erben berufen. Das Einfamilienhaus, das die Eheleute bewohnen, gehört ihnen zu je 1/2 Anteil. Das Einfamilienhaus ist schuldfrei und hat einen Verkehrswert von insgesamt 400.000,00 €. Außerdem bestehet noch ein alleine auf den Ehemann lautendes Sparbuch über 60.000,00 €. Weiteres Vermögen ist nicht vorhanden. Der Ehemann verstirbt. Die Eheleute lebten im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft.

Die Ehefrau ist Alleinerbin des Ehemannes geworden. Die Kinder können Pflichtteilsansprüche geltend machen. Zum Nachlass gehört der 1/2 Anteil an dem Hausgrundstück und das Sparbuch, insgesamt somit ein Vermögen von 260.000,00 €. Ohne Testament wäre der Ehemann von der Ehefrau zu 1/2 Anteil und von jedem Kind zu 1/4 beerbt worden. Die Hälfte hiervon, nämlich 1/8 von 260.000,00 €, also 32.500,00 €, kann jedes Kind als Pflichtteil verlangen.

Weiteres Beispiel:
Der verwitwete Ehemann hinterlässt zwei Kinder. Eines der Kinder hat er zu seinem Erben eingesetzt. Der Nachlass beträgt nach Abzug aller Verbindlichkeiten 400.000,00 €.
Ohne Testament wäre er von seinen Kindern als gesetzlichen Erben zu je 1/2 Anteil beerbt worden. Die Hälfte hiervon, also 1/4, ist die Pflichtteilsquote. Das nicht zum Erben eingesetzte Kind kann daher von dem Erben 1/4 von 400.000,00 €, somit Zahlung von 100.000,00 € verlangen.

Unter Umständen können auch Schenkungen, die der spätere Erblasser zu Lebzeiten vorgenommen hat, Pflichtteilsansprüche auslösen (sog. Pflichtteilsergänzungsansprüche). Pflichtteilsergänzungsansprüche können aber immer erst nach dem Tode des Erblassers geltend gemacht werden. Kinder können daher nicht etwa zu Lebzeiten eines Elternteils „schon mal“ den Pflichtteil verlangen.


7. Frage: Wird durch ein Testament der Pflichtteilsanspruch ausgeschlossen?
Antwort: Nein! Das Testament ändert die gesetzliche Erbfolge und gerade für diesen Fall soll der Pflichtteilsberechtigte nach dem Willen des Gesetzes geschützt werden. In besonders gravierenden Fällen ist es jedoch möglich, einem Pflichtteilsberechtigten den Pflichtteil durch Testament zu entziehen, z. B. wenn ein Kind einem Elternteil nach dem Leben trachtet oder ihn körperlich misshandelt. Ansonsten entfällt der Pflichtteilsanspruch nur, wenn der Berechtigte auf sein Pflichtteil verzichtet hat. Der Verzicht ist aber nur wirksam, wenn er notariell beurkundet wird.

Aber: Auch wenn im Normalfall daher der Pflichtteilsanspruch bestehen bleibt, ist nicht zu übersehen, dass der Pflichtteilsberechtigte sehr viel weniger erhält, als bei Verbleiben der gesetzlichen Erbfolge, wenn also kein Testament vorhanden wäre. Der Pflichtteilsberechtigte hat kein Mitspracherecht über den Nachlass und er erhält wirtschaftlich nur die Hälfte dessen, was er als gesetzlicher Erbe bekommen würde. Außerdem wird ein Pflichtteilsanspruch nicht in jedem Fall geltend gemacht.


8. Frage: Was ist ein „Berliner Testament“?

Antwort: Bei dem Berliner Testament handelt es sich um ein gemeinschaftliches Testament, in dem sich Ehegatten gegenseitig zum alleinigen Erben einsetzen und zugleich bestimmen, wer Erbe sein soll, wenn beide Ehegatten verstorben sind. Der Name „Berliner Testament“ rührt daher, dass diese Regelung um 1900, bei Inkrafttreten des BGB, in Berlin eine besonders beliebte Regelung gewesen sein soll.

100 Jahre später ist der Anwendungsbereich übrigens erweitert worden: bisher konnten nur Ehegatten gemeinschaftliche Testamente errichten. Seit dem 01.08.2001 können auch Partner einer (gleichgeschlechtlichen) Lebenspartnerschaft, die im Register eingetragen ist, gemeinschaftliche Testamente, also auch „Berliner Testamente“ errichten.


9. Frage: Kann ich mit meinem Lebensgefährten auch gemeinsame Regelungen für den Todesfall treffen?
Antwort: Ja! Das Gesetz sah hierfür immer schon – wie natürlich auch für Ehegatten – die Möglichkeit vor, in einem Erbvertrag bindende Regelungen für den Todesfall zu treffen. Diese Regelungen kann also der eine nicht mehr abändern, ohne dass der andere dem zustimmt. Der Erbvertrag muss notariell beurkundet werden.

Für die eingetragene (gleichgeschlechtliche) Lebenspartnerschaft sieht darüber hinaus das Gesetz die Möglichkeit vor, bindende Regelungen in einem gemeinschaftlichen Testament zu treffen.


10. Frage: Ist gesichert, dass nach dem Tode mein Testament auch gefunden wird?
Antwort: Ja, wenn es sich um notariell beurkundete Testamente oder Erbverträge handelt. Notariell beurkundete Testamente werden in Verwahrung des Gerichts genommen, Erbverträge verwahrt entweder der Notar oder das Gericht. Egal, wer die Verwahrung durchführt, immer sendet die verwahrende Stelle eine Mitteilung über die Errichtung des Testamentes bzw. des Erbvertrages an das Geburtsstandesamt der zukünftigen Erblasser. Verstirbt ein Erblasser, so sendet dasjenige Standesamt, das die Sterbeurkunde errichtet hat, hierüber ebenfalls eine Nachricht an das Geburtsstandesamt. Das Geburtsstandesamt prüft daraufhin, ob eine Mitteilung über eine Testaments- oder Erbvertragserrichtung vorliegt. Ist dies der Fall, wird die Stelle, die das Testament oder den Erbvertrag verwahrt, vom Geburtsstandesamt informiert. Die verwahrende Stelle reicht aufgrund dieser Mitteilung das Testament oder den Erbvertrag an das zuständige Nachlassgericht zur Eröffnung weiter.


11. Frage: Benötige ich für ein Testament oder einen Erbvertrag einen Notar?

Antwort: Ein Erbvertrag bedarf nach dem Gesetz immer der notariellen Beurkundung.

Für Testamente sieht das Gesetz neben der notariellen Beurkundung vor, dass sie auch dann wirksam werden, wenn sie von den zukünftigen Erblassern selbst errichtet werden. Allerdings muss dann der gesamte Testamentswortlaut mit der Hand geschrieben und unterschrieben sein.


12. Frage: Welche Vorteile hat es, einen Notar zu beauftragen?
Antwort: Der Sinn der notariellen Beurkundung von Testamenten besteht nicht darin, den Erblassern diese Schreibarbeit abzunehmen, sondern darin, die notariellen Fähigkeiten und die Erfahrungen des Notars auszunutzen. Erbrechtliche Gestaltung gehört seit jeher zu den Kernkompetenzen des Notars. Er kennt nicht nur die gesetzlichen Vorschriften, sondern auch die hierzu entstandene Rechtssprechung und die Diskussionsbeiträge aus der juristischen Literatur. Er kann – anders als ein Laie – den tatsächlichen Willen so genau formulieren, dass später Streitigkeiten über die richtige Auslegung des Testamentes verhindert werden. Streitigkeiten können bei selbst errichteten Testamenten sehr leicht entstehen, vor allem dann, wenn der Laie mit einem Begriff ganz andere Vorstellungen verbindet als das Gesetzt. Der Notar hat außerdem die erforderliche Geschäftsfähigkeit des Erblassers im Testament festzustellen. Späteren Argumenten, der Erblasser sei bei Errichtung des Testamentes gar nicht mehr geschäftsfähig gewesen, ist daher von vornherein der Boden entzogen. Vor allem stellt der Notar Ihnen seine jahrelange Erfahrung bei der Testamentserrichtung zur Verfügung. Er bewahrt Sie so davor, unüberlegte, unvollständige oder gar sich widersprechende Regelungen zu treffen. Zugleich wird er Ihnen Wege aufzeigen können, wie Ihr Wille nach dem Tode auch tatsächlich umgesetzt werden kann.


Und schließlich: Ein notarielles Testament erübrigt regelmäßig den Erbschein, den die Erben bei einem selbst errichteten Testament benötigen, und erleichtert schon dadurch die Abwicklung des Nachlasses.